Sprachbarrieren für ausländische plastische Chirurgen oft ein
Problem
Der Sprachgebrauch in der Medizin stellt seither große Ansprüche an das
medizinische Fachpersonal. Doch ist es bisweilen weniger das fachliche Latein, das diese Berufsgruppen zur verbalen
Verzweiflung treibt. Latein ist schon seither ein integraler Bestandteil jeder medizinischen Ausbildung. Doch nun
hat sich noch eine andere sprachliche Herausforderung in den Fachkauderwelsch der Mediziner gemischt: Englisch ist
in der Medizin – wie auch in anderen Bereichen – auf dem Vormarsch. Dass diese Entwicklung nicht spurlos an jenen
vorübergehen würde, die im Gesundheitswesen tätig sind, war abzusehen. Nun sehen sich vor allem die ausländischen
Kollegen, die in Deutschland eine qualifizierte Aus- oder Weiterbildung nach den hiesigen Maßstäben durchlaufen
möchten, großen Problemen ausgesetzt. Die Trias aus drei Sprachen: Latein, Deutsch und nun auch noch Englisch, hat
schon so manchen Zunftgenossen aus dem Ausland dazu gebracht, zu verzweifeln und schnell wieder in die Heimat zu
flüchten.
Besonders hart getroffen hat es eine Praxis für plastische Chirurgie in Berlin. Dort freute man sich darüber, einen indischen Kollegen
namens Shankar Lal begrüßen zu dürfen. Ein junger, engagierter Chirurg, der sich in Neu Delhi bereits einen Ruf
als Spezialist für Lidoperationen erworben hatte. Dr. Reinhold Messerschmidt – leitender Arzt der besagten
Berliner Praxis für ästhetische Chirurgie – war über alle Maßen stolz, dass sich der junge Mann aus Indien
gerade bei ihm beworben hatte. Kollegen aus ganz Berlin beneideten den auf diese Weise dekorierten Kollegen
Messerschmidt, der sich selbst auch für völlig geeignet hielt, den jungen Inder mit Wissenstand nach deutschen
Maßstäben zu beglücken.
Herr Shankar Lal entpuppte sich als freundlicher, junger Mann, der etwaige Verständigungsprobleme mit einem
gewinnenden Lachen auszugleichen wusste, wie es wohl nur Inder hervorbringen können. Da Dr. Reinhold Messerschmidt
die Sprachausbildung als einen Selbstläufer betrachtete, der sich durch den Aufenthalt und den alltäglichen
Sprachgebrauch schon von alleine erledigen würde, wurde es versäumt entsprechend zu handeln, als Probleme
auftraten.
Eines Tages wurde Shankar Lal von einer Patientin gefragt, ob nicht ein
Wangen-modeling machbar wäre. Der freundliche Inder überspielte sein Unverständnis, da ihm Zuvorkommendheit über
alles ging. Er gab der Frau zu verstehen, dass dies sofort durchführbar wäre und verlies den Raum, um das nötige
Werkzeug zu holen. Natürlich fühlte sich die Dame überrumpelt. Immerhin ging sie davon aus, an besagtem Tage nur
ein Beratungsgespräch zu führen. Shankar Lal holte sein Handy mit hervorragender 8 Megapixel Kamera aus dem
Aufenthaltsraum, um Bilder zu machen, wie er Dr. Reinhold Messerschmidt auf Nachfrage mitteilte. Dieser wertete das
als Anzeichen für die bedachte Herangehensweise und fleißige Dokumentation des freundlichen Kollegen aus Indien.
Shankar Lal kam zurück zu der verunsicherten Dame, die aus Gründen des Datenschutzes namentlich ungenannt bleibt,
und ging kommentarlos zu einer Fotosession über. Er leuchtete des Gesicht der perplexen Dame mit seiner
Schreibtischlampe professionell aus (Shankar war Hobby-Fotograf) und versuchte möglichst schöne Bilder ihrer Wangen
zu machen. Die Dame, die nun vollends davon überzeugt war jeden Moment unters Messer zu kommen, verlies entsetzt
die Praxis. Der junge Inder hingegen war verwirrt, da er nicht wusste was er mit den Bildern (die er für sehr
gelungen hielt) anfangen sollte. Er kannte weder eine Agentur noch andere Interessenten für Wangen
Models.
Nach diesem Schlüsselerlebnis war Shankar Lal stark verunsichert. Ein
weiterer Fall mündete schließlich in der körperlichen Versehrtheit und Abreise des Inders. Als er - das Gesicht zur
Decke gehoben – die Treppe runterstürzte, brach sich der Unglückliche den Arm. Dabei wollte Dr. Messerschmidt nur
von ihm wissen, wie viel Erfahrung der Inder in Sachen “Facelifts“ habe. Shankar Lal musste beschämt zugeben, dass er diese Erfahrung erst noch
sammeln müsse ... und fing sofort damit an. Er liftete sein Face gen Himmel und sah das Unheil nicht kommen, auf
das er sich zu bewegte.
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